

Verschiedene Studien haben aufgezeigt, dass der Einfluss genetischer Faktoren auf psychische Eigenschaften (Turkheimer et al., 2003) oder Verhaltensweisen (Tuvblad et al., 2006) in einer sozial-ökonomisch bevorzugten Umwelt stärker ausgeprägt ist als in einer sozial-ökonomisch benachteiligten Umwelt. Begründet wird dies dadurch, dass Menschen aus privilegierten „Sozialschichten“ den sozialen und ökonomischen Risikofaktoren, die für bestimmte Phänotypen prädisponieren, nicht in dem Maße ausgesetzt sind.
Es werden unterschiedliche Theorien diskutiert, wie der genetische Hintergrund und der Sozio-ökonomische Status (SES) zusammen auf den Phänotypen wirken können. South und Krueger (2011) sprechen von der „Social Causation“ und der „Social Selection“ Theorie.
Bisherige Studien konzentrieren sich auf Zwillingsstudien, die nicht explizit genetisches Material erhoben haben, um ein Zusammenspiel zwischen Genetik und SES zu analysieren. In der Regel werden dafür Strukturgleichungsmodelle (SGM) verwendet, die den Vorteil haben sowohl latente Variablen, wie den SES, als auch kausale Abläufe über mehrere Schritte modellieren zu können.
Ziel unserer Untersuchung ist, ob der genetische Einfluss des FTO Gens auf Adipositas auch über sozio-ökonomische Faktoren sowie über weitere Sozialfaktoren (TV/PC-Konsum, Essverhalten, körperliche Aktivität) moderiert wird. Dafür werden SGMs auf genetische Assoziationsdaten angewendet und die Theorien der Social Causation und Social Selection in entsprechende Modelle umgesetzt und miteinander verglichen.
South SC, Krueger RF (2011) Genetic and environmental influences on internalizing psychopathology vary as a function of economic status. Psychol Med, 41, 107-117.
Turkheimer E, Haley A, Waldron M, D'Onofrio B, Gottesman II (2003) Socioeconomic status modifies heritability of IQ in young children. Psychol Sci, 14, 623-628.
Tuvblad C, Grann M, Lichtenstein P (2006) Heritability for adolescent antisocial behavior differs with socioeconomic status: gene-environment interaction. J Child Psychol Psychiatry, 47, 734-743.

